Vom Elvis Interpreten zum Operntenor

Ein Ausnahme Künstler mit einer besonders vielseitigen Stimme, welche sich in beiden Musikrichtungen -sowohl Klassik als auch Pop zuhause fühlt. Im Gegensatz zu vielen seiner Tenor Kollegen ist Riccardo Mancini in der Lage, die Popmusik auch authentisch zu präsentieren -worauf er besonderen Wert legt. „Die klassische Interpretation eines Popsongs ist genauso langweilig, wie die moderne Interpretation einer Opernarie. Hat man „nur“ den klassischen Gesangstil studiert, dann ist man verständlicherweise nicht in der Lage, einen Rock ́n Roll, Blues oder Rock Titel genauso zu interpretieren wie er sein soll“.

Sein musikalischer Werdegang entspricht nicht dem üblichen. Riccardo Mancini beginnt seine Karriere als Elvis Presley Interpret. „Stimmen haben mich schon immer fasziniert“. Der Klang, das Timbre -und insbesondere die Gesangstechnik sind Merkmale, worauf Riccardo Mancini -damals mit 14 Jahren besonders achtet. Autodidaktisch erlernt er so die Songs seiner Lieblingsinterpreten. Elvis Presley, Dean Martin, Frank Sinatra, Engelbert und seinem Idol Tom Jones. Begeistert von der Imitation wurden es im laufe der Jahre 60 Stimmen, welche der Tenor nach wie vor perfekt auf die Bühne bringt.

Nicht umsonst wird die Popmusik als U-Musik (Unterhaltung) bezeichnet. „Ich möchte keinesfalls damit sagen, das Opern -oder Musicalaufführung nicht unterhaltsam seien. Sie sind es als Gesamtkonzept“. Steht allerdings ein Interpret alleine auf der Bühne, dann ist es Entertainment. Und genau hier, unterscheiden sich Popsänger von Opernsängern. Ein Opernsänger ist selten in der Lage, mehr als nur das nächste musikalische Werk anzukündigen. Geschweige denn, die Zuhörer mit lustigen Anekdoten aufzuheitern. „Nur weil sie E-Musik (ernste Musik) genannt wird, sollte man einen Lieder oder Arien-Abend nicht so gestalten, als sei man auf einer Beerdigung“.

Das Talent alleine nicht ausreicht, erfährt Riccardo Mancini bei dem Versuch Lieder des Tenors Mario Lanza singen zu wollen. „Immer habe ich daran geglaubt, das man seine Stimme kontrolliert und bewusst einsetzen kann. Der klassische Gesang lieferte mir hierzu den besten Beweis“. Die Stimme hat verschiedene Farben. Die Stimme beherrscht -im besten Falle, ein Pianissimo oder ein Fortissimo. Die Stimme kann man nicht nur hören, sondern auch fühlen. Die Stimme erzeugt Gefühle wie Liebe, Freude, Leid oder Trauer. Ich war fasziniert und hatte nur noch ein Ziel -genau das zu erlernen“. Und so begann ein langer und steiniger Weg, den Riccardo Mancini bis zum Ende gehen wollte.

So begann er mit 22 Jahren seine klassische Gesangausbildung bei dem italienischen Tenor Angelo Melzani. „Hier fühlte ich zum ersten Mal wie eine Stimme klingen kann -und auch muss“. Nach zwei Jahren, begegnet er dem weltbekannten Kammersänger und Bass Kurt Moll. Hier soll sein Gesangstudium weiterführen. „Das aller beste was mir je passieren konnte. Wenn jemand meine Stimme geformt hat, dann ist es mein Lehrer Kurt Moll“. Die Heldentenor Arien sowie alle anderen Lieder, wurden vom Repertoire gestrichen. Schubert Lieder sollten es zu erst einmal sein. Und das für sehr sehr lange. Aber genau das war der richtige Weg der gegangen werden musste. Nach einem Jahr kamen dann endlich die Mozart Arien. „Nichts diszipliniert und fördert die Stimme mehr als die Arien von Mozart. Ein wahrer Genie, der sich mit Stimmen auskannte“.

Zum Gesangunterricht gehörte natürlich auch sehr viel theoretisches Wissen. „Je mehr ich über die Opern und deren Komponisten las, umso mehr wollte ich darüber wissen“. Seinem Lehrer Kurt Moll blieb Riccardo Mancini stets treu. Eine andere Gesangstechnik kam nicht in Frage. Eine Verwirrung diesbezüglich, kann mehr schaden als nützlich sein. Nach dem Ende seines Studiums begab sich Riccardo Mancini -mit einem Empfehlungsschreiben seines Lehrers auf nach Italien. Ein Meisterkurs bei dem legendären Carlo Bergonzi. Acht Jahre Gesangausbildung waren es nun insgesamt und zwei weitere Jahre sollten in New York folgen. Bei seinem großen Idol und Vorbild Franco Corelli. „Zwei Tenöre waren für mich die größten. Franco Corelli und Mario del Monaco.

Obwohl seine Stimme über die notwendige Qualifikation -um an einem Theater zu singen verfügte, fühlte sich Riccardo Mancini noch nicht dazu bereit. Angebote verschiedener Opernhäuser die einen Tenor für ihren Chor brauchten, lehnte er ab. Riccardo Mancini war -und ist nach wie vor ein Solist. Sein musikalisches Ziel war ein anderes. Genau wie Mario Lanza war Riccardo Mancini stets bemüht, seinem Publikum die weltberühmten Arien, neapolitanischen Volkslieder, Broadway und Musical Highlights und unvergessene Hits und Evergreens nahe bringen zu wollen. Mit der Frage „Warum kann man einen Song wie New York, New York nicht als Tenor interpretieren“ war Riccardo Mancini 1992 seiner zeit weit voraus. Genau das machten die Three Tenors zwei Jahre später in den Caracalla Termen in Rom. „Das es der deutsche Tenor Peter Hofmann einige Jahre zuvor viel besser gemacht hat, interessierte damals niemanden. Ich habe seinen Mut bewundert. Natürlich ist es immer eine Frage des Geschmacks. Aber authentischer war er allemal“.

Luciano Pavarotti, José Carreras und Plácido Domingo öffneten zahlreichen anderen „Tenören“ die Türen zum Erfolg. Andrea Bocelli, Helmut Lotti, Erkan Aki, Il Divo, die Jungen Tenöre, die German Tenors, The Irish Tenors, The Italian Tenors und und und ... Ach ja und Paul Potts. Einer der größten deutschen Baritone (Thomas Quasthoff) sagte mal über Andrea Bocelli „Er ist nur ein drittklassiger Barsänger“. Und ich sage: „Er kann es ganz sicher beurteilen“.

Ein Engagement an den Theatern und Opernhäusern sollte Riccardo Mancini vorerst nicht bekommen. Der Grund war seine Stimme. Folgendes sagten ihm Impresarios in Wien, Italien und auch Deutschland: „Ihre Stimme ist für die kleinen Häuser zu groß und deshalb wird man sie dort nicht engagieren können. Die großen Häuser allerdings verlangen Referenzen. Auf der einen Seite ein Kompliment und auf der anderen ein unüberwindbares Hindernis. „Wie sollte ich also Referenzen nachweisen, wenn mich kleinere Theater nicht engagieren können?“

Eine Erkenntnis welches Riccardo Mancini dazu veranlasste, seine Tätigkeit als Sänger auf einen ganz anderen Bereich zu verlegen -dem Varieté. Der große Zirkusdirektor Bernard Paul engagierte ihn im Jahre 2001 in sein Stuttgarter Friedrichsbau Varieté. Engagements im Apollo Varieté und allen anderen folgten. Unterhaltung ist etwas was Riccardo Mancini besonders liegt. Die Erfahrung von jahrelangen Auftritten als Stimmenimitator und Entertainer, kommen ihm nun zugute. Ein immer noch erfolgreiches Showkonzept das sich (Dinner-Show) nennt, ist Riccardo Mancini ́s nächstes Betätigungsfeld. Ob in New York bei Pump Duck oder Europaweit den Palazzo ́s, den GOP´s -er ist stets ein gern gesehener Gast. „Nun ist für mich die Zeit gekommen, mich wieder um meinen eigentlichen Herzenswunsch zu kümmern“.

Aber kann man das so einfach nach 13 Jahren Varieté und Dinner Show? Ist da die Stimme nicht längst überstrapaziert? Die Antwort auf diese schwere Frage, konnte sich Riccardo Mancini nicht selber geben. Also begab er sich zu dem Stimmt-Therapeuten und Stimmforscher Max Wagner in München. Das schriftliche Gutachten war mehr als nur erfreulich. Riccardo Mancini ist nicht nur nach wie vor im Besitz seiner klassischen Stimme, sondern er hat sich sogar stimmtechnisch noch weiterentwickelt. Nun steht seinem Wunsch -als Tenor die Menschen mit seinem Gesang erfreuen zu wollen, nichts mehr im Wege. „Nie zuvor habe ich mich stimmlich sicherer gefühlt wie jetzt. Trotz der Tatsache das Riccardo Mancini ́s Stimme eine sehr dunkle Färbung hat (Spinto), beherrscht er nicht nur das gefürchtete zwei gestrichene hohe (C) des Tenors, sondern sogar das weit darüber liegende hohe (E).

Vom Elvis Interpreten zum Operntenor. Ein Karriereweg der sicherlich nicht gewöhnlich ist. Sein Lehrer Kurt Moll bezeichnete seine Stimme als eine Jahrhundertstimme. Der Stimmforscher Max Wagner sieht in ihm einen neuen Fritz Wunderlich. „Zwei Komplimente welche ich als Bestätigung dafür sehe, niemals aufzugeben!“